Nordbahntrasse als Benchmark

Nordbahntrasse als Benchmark

Samstag, den 30. September 2017 um 9:39

»Mein Name ist Michael Tünker und ich studiere im Master Humangeographie mit dem Schwerpunkt der Stadtentwicklung und Raumplanung. Im Rahmen meiner Masterarbeit untersuche ich Bahntrassenradwege als multifunktionale Freiräume für die Stadt. Aus diesem Grund bin ich am 21. September 2017 bei bestem Wetter aus Münster nach Wuppertal gereist, um mir die Nordbahntrasse anzusehen.«

Die Empfehlung erhielt ich von mehreren Experten, dass Wuppertal ein herausragendes Beispiel für die Entwicklung eines innerstädtischen Bahnradweges durch bürgerschaftliche Engagement sei. Da ich zuvor keine Kenntnisse von der Trasse hatte, war ich sehr gespannt und ich konnte schon nach kurzer Zeit erkennen, dass die Empfehlungen vollkommen zu Recht gegeben wurden.

Ich konnte durch eine großartige Führung durch das Ehepaar Bartölke, denen mein besonderer Dank gilt, einen wunderbaren Eindruck von der Bahntrasse gewinnen und meine Erkenntnisse über die Thematik für meine wissenschaftliche Arbeit vertiefen. Im Fokus meines Interesses standen Fragen der Besonderheiten und Herausforderungen, die Bahntrassen für den Radverkehr bieten und welche multifunktionalen Raumeigenschaften sie für den Stadtraum übernehmen. Hierbei entstand für mich ein Gesamteindruck, wonach die Nordbahntrasse eine große Bereicherung für die Stadt Wuppertal ist, da sie weit über ihre Verkehrsfunktion hinaus, ein Ort für soziale Begegnung, Bürgerschaft und Interaktion darstellt. Die vielfältigen Möglichkeiten durch die angegliederten Grünanlagen, Spiel- und Sporträume sowie Schulen und Kindergärten lassen erkennen, dass die Nordbahntrasse als gesamtstädtisch relevanter Park gesehen werden muss.

Besonders hervorzuheben ist der erkennbare Charakter der Bahntrasse durch den Erhalt der alten Bahnstationen und anderer Eisenbahnrelikte. Gerade die alten Bahnhöfe schaffen eine einzigartige Erlebbarkeit der Trasse, laden zum Verweilen ein und bieten Möglichkeiten viele Details zu entdecken. Da die Gebäude auch architektonische Reize bilden, wäre es schön, wenn sie auch aus der Stadt noch erlebbarer werden könnten. Eine gestalterische Zuwegung und Ausschilderung aus der Stadt würden nicht nur die Gebäude in das Bewusstsein der Stadt zurückversetzen, sondern es könnten Gewinne für die Betriebe und Einrichtungen und nicht zuletzt die Nordbahntrasse selbst entstehen, denn die Trasse bietet sehr spannende Möglichkeiten Wuppertal aus einer vollkommen anderen Perspektive zu erleben. Die abwechslungsreiche Strecke kann durch hohen Komfort für den Fuß- und Radverkehr punkten und schafft darüber hinaus Sichtbeziehungen und Aussichtspunkte in den Stadtraum. Die weitere Besonderheit liegt in dem bürgerschaftlichen Engagement, dass nicht nur die Trasse ermöglicht hat, sondern auch für deren Unterhaltung sorgt. Insbesondere die vielfältigen Ideen, um eine Weiterentwicklung der Trasse oder Bereitstellung von Karten und Wegeplänen bieten dem Nutzer eine angenehme Möglichkeit die Vielfalt des Radweges zu erleben.

Ich konnte an diesem Tag nicht nur viele neue Eindrücke von der Multifunktionalität von Bahnradwegen gewinnen, die in meine Masterarbeit einfließen werden, sondern kann durch meine fachliche Expertise sagen, dass die Nordbahntrasse durch die WUPPERTALBEWEGUNG zu einem hervorragenden Beispiel eines hoch attraktiven Freiraums geworden ist, dessen Entwicklung an vielen Stellen noch lange nicht zu Ende zu sein scheint. Sie ist ein Ort der Möglichkeiten. Hier lassen sich soziale, ökologische und freizeitliche Qualitäten erleben und es gibt allen die Chance die Stadt neu zu erleben und der Stadt selbst, sich neu zu entdecken. Für die vielfältigen Eindrücke bedanke ich mich noch einmal ausdrücklich.

Text: Michael Tünker
Foto: Hadumod Ingrid Bartölke

von Hadumod Ingrid Bartölke