Eine stilgerechte Einweihung an Gleis 4 | Friedemann Bräuer, WZ, 07.09.2017

Die Draisinen sind künftig auf einem zusätzlichen 500 Meter langen Schienenstrang unterwegs.
Barmen. Ein großer Tag für den Bahnhof Loh – den Draisinen- Bahnhof. Dort wurden nämlich gestern mit Gleis vier ein weiterer etwa 500 Meter langer Schienenstrang und eine angemessene Behausung für das attraktive Gefährt eingeweiht, das die Herzen der Trassenbesucher in den letzten Jahren im Sturm erobert hat. Stilgerecht, die Einweihungsfeierlichkeiten, als „Bahnhofsvorsteher“ Armin E. Engel in marineblauer Uniform und mit roter Mütze per Pfeife und grüner Signalkelle die Fahrt freigab.
2010 konnte die erste Strecke befahren werden
Carsten Gerhardt, der Vorsitzende der Wuppertal Bewegung, und Michael Klaholz von der Stadtsparkasse traten in die Pedale und bewegten das liebenswerte Vehikel mit etlichen Fahrgästen vorwärts. Kultur-Dezernent Matthias Nocke stand auf der Plattform, bewaffnet mit einer Schere, um das rotweiße Band durchzuschneiden. Beifall, als das Gleis dann offiziell freigegeben worden war, und gleichzeitig das Signal zur Stärkung mit Imbiss, Bier und Alkoholfreiem, wobei auch die Helfer kräftig zulangen konnten.
Vorher hatte Carsten Gerhardt allen, die an der Arbeit an dem neuen Gleis beteiligt waren, herzlich gedankt und dabei vor allem Rolf Dellenbusch, den Leiter und Motor des Draisinen-Projekts, in den Vordergrund gestellt. Gerhardt erinnerte daran, dass die 1,6 Kilometer lange Draisinenstrecke 2010 zum ersten Mal befahren worden war, dass aber Viaduktarbeiten einen zeitweisen Rückbau und erneutes Verlegen der Gleise erforderlich gemacht hätten. Hier haben Wichernhaus, GBA mit Niederlassungsleiter Dieter Mattner und das Jobcenter vorzügliche Arbeit geleistet.
Und vor allem die Gleisarbeiten waren so beispielhaft gut gelungen, dass 14 der insgesamt 16 beteiligten Gleisbauer dank der angeleiteten Qualifizierungsarbeiten einen festen Platz auf dem ersten Arbeitsmarkt gefunden hätten. „Das waren Arbeiten unter realen Bedingungen und das hat die Mitarbeiter fit gemacht für die Prüfung bei der Bahn“, erklärte Henry Wollner, Prokurist der Gesellschaft für berufliche Aus- und Weiterbildung (GBA).
11 000 Fahrgäste hat die Draisine bislang bewegt
Niederlassungsleiter Dieter Mattner, verriet, dass außerdem Schlosser und Maler an den Arbeiten am Bahnhof Loh und der Draisinen-Garage beteiligt waren, und Carsten Gerhardt sprach von einem Kleinod der Nordbahntrasse, die inzwischen dank der vielen ehrenamtlichen Helfer eine Seele bekommen habe. 11 000 Fahrgäste hat die Draisine inzwischen über die 1,7 Kilometer bewegt, und jetzt ist durch das weitere Gleis und die Weiche, bei der sich die Gäste selbst als Weichensteller betätigen dürfen, eine zusätzliche Attraktion dazu gekommen. „Hier werden Familienfeste, Junggesellenabschiede und Kindergeburtstage gefeiert, und wer seinen auswärtigen Gästen etwas Besonderes bieten will, der lädt sie ein zur Draisinen-Fahrt vom Bahnhof Loh.“ Rolf Dellenbusch und sein Team hatten allen Grund, stolz zu sein.

Per Draisine die Trasse entdecken | Manuel Praest, WZ, 02.10.2018

Rolf Dellenbusch und seine Mitstreiter sorgen für den Betrieb am Loh – und freuen sich auch über viele Gäste außerhalb.
Schwarzfahren gilt nicht. „Die Fahrscheine bitte“, ruft Rolf Dellenbusch und lacht. Kurz angehalten, das Stück Pappe aus der Geldbörse geholt, Stempel mit Datum drauf, und die Besucher haben ihr Andenken an ein ganz besonderes Trassenerlebnis: Die Fahrt mit der Draisine. Vom Bahnhof Loh geht es bei schönem Wetter mehrmals in der Woche los. Ein Vergnügen, das längst über Wuppertals Grenzen hinaus bekannt ist.
„Werbung brauchen wir gar nicht“, sagt Rolf Dellenbusch von der Arbeitsgruppe (AG) Eisenbahngeschichte in der Wuppertalbewegung. „Das hat sich einfach rumgesprochen.“ Eigentlich sei es vor Jahren nur darum gegangen, zumindest einen kleinen Teil der Gleise und damit den Bahncharakter der Trasse zu erhalten. Der Großteil der Schwellen war damals nämlich schon entsorgt worden. „Das hier ist mit der letzte Bereich, wo noch Gleise liegen“, erklärt Dellenbusch.
Die Jungfernfahrt mit der Draisine absolvierten die Mitglieder am 5. Juni 2010, als das erste Teilstück der Nordbahntrasse eingeweiht wurde. Eigentlich waren Fahrten von da an nur ein paar Mal im Jahr geplant. Die Nachfrage war aber so groß, dass daraus eine regelmäßige Einrichtung wurde – und der AG kaum noch Zeit für andere Aufgaben bleibt.
Denn alles laufe ehrenamtlich, betont Dellenbusch. Auch die Fahrten sind umsonst, man freue sich aber natürlich über Spenden. Wichtig sei die Authentizität, betonen die Mitglieder. Dazu gehören eben die originalgetreuen Fahrscheine ebenso wie ein an die DB-Pläne erinnernder großer gelber Fahrplan im Schaukasten am Bahnhof oder Lautsprecherdurchsagen: „Vorsicht an Gleis 3, der Zug fährt durch“.
Der Service, gerade vor Fahrtantritt, dürfte aber deutlich besser sein als bei der Deutschen Bahn. Monika Reusch und Renate Fischer kümmern sich um die Besucher, die zum Beispiel am Bahnsteig warten müssen. „Wir sind die Hostessen“, sagen die beiden schmunzelnd.
Die Vorbereitungen der Fahrt gehen gut und gerne eine Stunde vor Fahrtbeginn los – in den Tiefen des Bahnsteigs. Unter der Klappe, wo einst die mittlerweile zugeschüttete Fußgängerunterführung vom Bahnhof Loh endete, ist zum Beispiel Infomaterial zur Nordbahntrasse und der Draisine gelagert.
Ideen für die Zukunft: Draisinen im E-Betrieb
„Viele Wuppertaler, die Besuch von außerhalb haben, gehen mit ihm Draisinefahren“, erklärt Dellenbusch. Aus England waren zum Beispiel neulich Mitfahrer dabei. Und ein Jungesellinnenabschied machte auch schon am Loh Station. Überhaupt werde das Angebot super angenommen.
Unterwegs müssen die Fahrer immer wieder winken, vor allem Kindern. „Die finden das natürlich auch ganz toll, selbst zu fahren – und das ganze Drumherum.“ Da die Strecke mehrere Gleise umfasst, ist zum Beispiel das Weichenstellen vonnöten. „Läuft heute butterweich“, ruft Norbert Fischer, einer der Mitstreiter.
Die Draisine, die in einer Garage schräg gegenüber des alten und mittlerweile zum Schmuckstück umgebauten ehemaligen Stellwerks Loh geparkt wird, wurde vor Jahren durch die Firma Schaeffler gebaut, extra angepasst an die Bedürfnisse der AG. Das umständliche Umheben des Fahrzeugs etwa entfällt. „Unsere kann in beide Richtungen fahren“, ist Dellenbusch froh.
Hin und zurück sind es zusammen gut drei Kilometer, zwei Mitfahrer müssen immer in die Pedale treten. Ein großer Spaß – aber durchaus anstrengend. Wer glaubt, Bahntrassen seien eher nicht steil, wird eines Besseren belehrt. „Meistens wird sich deshalb abgewechselt“, erklärt Siegfried Springorum von der Arbeitsgruppe.
Denn die Steigung ist nicht ohne. „20 Höhenmeter auf 730 Metern Strecke.“ Die merkt man recht schnell in den Beinen. Die Rückfahrt entschädigt aber für mögliche Strapazen, denn bergab nimmt die gut 800 Kilogramm schwere Draisine ordentlich Fahrt auf – ohne dass jemand nachhelfen muss.
Für die Zukunft haben Dellenbusch & Co. noch einige Pläne. Der Fuhrpark soll zum Beispiel vergrößert werden. Vorausschauend hat man die Garage schon etwas größer angelegt. Und möglicherweise soll die neue Draisine dann im E-Betrieb laufen. Wobei: Ein kleines bisschen Anstrengung darf ja nicht fehlen, darin sind sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe einig.