DENKMALLOK
Die Kleinbahn Loh-Hatzfeld
Die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) betrieben von 1894 bis 1980 die Kleinbahn Loh-Hatzfeld, eine rund 4,5km lange Güterstrecke, ausgehend vom Bahnhof Wuppertal-Loh.

Zunächst diente die Strecke der Belieferung des Schlachthofs Carnaper-/Schützenstraße der Stadt Barmen und wurde daher oft „Schlachthofbahn“ genannt. Später wurde sie als Gleisanschluss weiterer Industrie rund um Hatzfeld (Herberts-Lacke, Raab Karcher, Joest und viele weitere) ausgebaut.
1920 wurde die Strecke nochmals bis zum Wasserturm auf Hatzfeld verlängert um Siller & Jamart einen Gleisanschluss einzurichten.

Ebenfalls wurde, ausgehend von dieser Strecke, auch das Kraftwerk am Clef in Barmen mit Kohle beliefert. Dazu wurde die mit Staatsbahnwaggons angelieferte Kohle am Bahnhof Schlachthof mit einem Becherwerk auf Waggons der städtischen Bahn umgeladen und von dort dann über Straßenbahngleise zum Kraftwerk gebracht.

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Die Kleinbahn Loh-Hatzfeld
Die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) betrieben von 1894 bis 1980 die Kleinbahn Loh-Hatzfeld, eine rund 4,5km lange Güterstrecke, ausgehend vom Bahnhof Wuppertal-Loh.

Zunächst diente die Strecke der Belieferung des Schlachthofs Carnaper-/Schützenstraße der Stadt Barmen und wurde daher oft „Schlachthofbahn“ genannt. Später wurde sie als Gleisanschluss weiterer Industrie rund um Hatzfeld (Herberts-Lacke, Raab Karcher, Joest und viele weitere) ausgebaut.
1920 wurde die Strecke nochmals bis zum Wasserturm auf Hatzfeld verlängert um Siller & Jamart einen Gleisanschluss einzurichten.

Ebenfalls wurde, ausgehend von dieser Strecke, auch das Kraftwerk am Clef in Barmen mit Kohle beliefert. Dazu wurde die mit Staatsbahnwaggons angelieferte Kohle am Bahnhof Schlachthof mit einem Becherwerk auf Waggons der städtischen Bahn umgeladen und von dort dann über Straßenbahngleise zum Kraftwerk gebracht.

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Unsere Denkmallok im Draisinenbahnhof Wuppertal-Loh...
...wurde im Jahr 1910 von der Maschinenfabrik J. A. Maffei in München gebaut, die elektrische Ausrüstung kam von den Siemens-Schuckert-Werken. Die 608 ist die zweite jemals bei J. A. Maffei gebaute Elektrolokomotive. Sie blieb ein absolutes Einzelstück.

Sie wurde als Lok Nr. 1 bei der "Barmer Straßenbahn" eingereiht.
Später bekam sie die Bezeichnung 608, die Ende der 70er Jahre auf die Bezeichnung 3608 geändert wurde.

Danach wurden zwei weitere Lokomotiven für die Kleinbahn Loh - Hatzfeld beschafft:
Lok 2: Baujahr 1912 von Maffei/AEG, später Lok 609 bzw. WSW 3609, Spitzname "Dicke Berta", verschrottet 2006
Lok 3: Baujahr 1931 von Schöndorff/AEG, später Lok 610, verschrottet 1963

Im Jahr 1980 wurde die Lok 608 an Stern & Hafferl in Österreich verkauft und dort weitere 43 Jahre eingesetzt. 2023 endete ihre Betriebszeit nach insgesamt 113 Jahren.
Dank intensivem, ehrenamtlichen Engagement und vielen Sponsoren konnte die Lok zurück nach Wuppertal geholt werden und dient seitdem als Denkmal für eine bewegte Stadt- und Industriegeschichte.

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Höchstgeschwindigkeit
40km/h
Dienstgewicht
33t
Bremsgewichte P 21t oder G 13t
Stundenleistung
bis 280kW
48kW (WSW) / 70kW (SuH) pro Achse
Fahrdrahtspannung
bis 800V=
550V= (WSW) später 800V= (SuH)
Maße
Länge: 7500mm | Breite: 2140mm
Länge über Puffer (LüP): 8810mm
Stundenzugkraft
51kN
bei 20km/h
Baujahr
1910
durch J.A. Maffei
Antrieb
Vier Tatzlagerfahrmotoren
Achsfolge Bo' Bo'
Die Lok hat - wie der Fachmann sagt - ein "schlankes Lichtraumprofil", denn sie wurde auch für Kohletransporte mit eigens gebauten und extra schmalen Waggons auf Straßenbahngleisen zwischen der Verladestation an der Carnaper Straße und dem Kraftwerk in W-Barmen eingesetzt.
(Foto ca. 1963 mit Schwesterlok 610)
Hier stellt die Lok mit Kohle beladene Waggons zur Umladung auf die kleinen "Straßenbahnwaggons" (links) bereit.
Im Hintergrund die heute noch vorhandene Häuserzeile an der Carnaper Straße, auf dem vorderen Grundstück befindet sich jetzt die neue Konzernzentrale der WSW.
Die Kleinbahn Loh-Hatzfeld - die Geschichte hinter der Denkmallok
Fast 90 Jahre lang prägte eine ungewöhnliche Bahn das Bild der Barmer Nordhöhen: Die Kleinbahn Wuppertal-Loh–Hatzfeld verband den Stadtbahnhof Barmen-Loh mit dem Industrievorort Hatzfeld und war dabei gleichzeitig Straßenbahn, Güterbahn und Kohletransporteur. Große Elektrolokomotiven vor schweren Güterzügen auf Straßenbahngleisen mitten im Stadtverkehr – was heute unvorstellbar klingt, war hier über Jahrzehnte gelebter Alltag.
Die Schlachthofbahn – Anfänge ab 1892
Die Wurzeln der Hatzfeldbahn liegen im städtischen Schlachthof Barmen. Um 1892/93 errichtete die Stadt Barmen an der Schützenstraße einen neuen Vieh- und Schlachthof und baute dazu eine knapp 1,3 Kilometer lange Anschlussbahn zum Bahnhof Barmen-Loh an der Rheinischen Eisenbahnstrecke (bekannt als Wuppertaler Nordbahn und heute unsere "Trasse"). Diese sogenannte „Schlachthofbahn" überquerte auf einem imposanten 118 Meter langen sechsbogigen Ziegelviadukt die Schönebecker Straße, verlief dann in einem bis zu zwölf Meter tiefen Felseinschnitt parallel zur Schönebecker Straße und endete mit damsl noch bescheidenen Gleisanlagen im Schlachthofgelände. Die Streckenlänge betrug 1,3 Kilometer, die größte Steigung 1:60, der überwundene Höhenunterschied 110 Meter. Die Baukosten beliefen sich auf 358.000 Mark, bedingt vor allem durch den großen Viadukt, den tiefen Felseinschnitt und die hohe Straßenbrücke der Rödiger Straße.

Der Betrieb und die Unterhaltung der Anschlussbahn oblagen der Rheinischen Eisenbahn bzw. den Preußischen Staatseisenbahnen. Genehmigungstechnisch war die Bahn jedoch der Barmer Straßenbahn zugeordnet.
Wagenladungsverkehr war ab dem 27. Oktober 1893 möglich, die offizielle Inbetriebnahme fand am 29. Januar 1894 statt. Der Schlachthof entwickelte sich rasch: In den ersten Jahren wurden 20.000 bis 30.000 Stück Schlachtvieh pro Jahr angeliefert, bis 1912 stieg die Zahl auf etwa 78.000 Tiere jährlich. Zeitweise verkehrte montags am späten Nachmittag sogar ein Zusatzzug vom Elberfelder zum Barmer Schlachthof.

Verlängerung nach Hatzfeld – Planung und Bau ab 1908
Im Norden der Stadt hatte sich um die Jahrhundertwende Industrie angesiedelt, die Bebauung hatte sich auf die Talhänge ausgeweitet. Die Stadt Barmen plante daher die Verlängerung der Schlachthofbahn bis nach Hatzfeld, um die dortigen Industriebetriebe anzuschließen. Gleichzeitig sollte auch die Straßenbahnlinie bis Hatzfeld verlängert werden.

Die Firma Siller & Jamart (S & J), Hersteller von Dampfkesseln und Stahlkonstruktionen, spielte dabei eine entscheidende Rolle: Sie wollte ihr Werk nach Hatzfeld verlegen, knüpfte dies jedoch an die Bedingung eines Gleisanschlusses. Im August 1908 genehmigte das Preußische Ministerium die Planungen. Die Bereitstellung der Finanzmittel für die rund drei Kilometer lange Strecke in Höhe von 552.850 Mark wurde in der Stadtverordnetensitzung vom 18. Mai 1909 genehmigt. Die Bau- und Betriebsgenehmigung als elektrisch betriebene nebenbahnähnliche Kleinbahn erging am 11. November 1909.

Der Bahnhof Schlachthof wurde zu einem fünfgleisigen Übergabebahnhof mit Fahrdraht ausgebaut. Am 12. Juli 1911 konnte der Güterverkehr vorab bis zum provisorischen Endpunkt Sondermann aufgenommen werden. Am 26. August 1911 folgte die offizielle Abnahmefahrt, die endgültige Betriebserlaubnis war am 25. August für 100 Jahre ausgestellt worden. Als Eröffnungs- und Einweihungsfahrt fand am 30. August eine Festfahrt statt. Der 1. September 1911 gilt als offizieller Tag der Betriebsaufnahme. Der Straßenbahnbetrieb wurde am 3. September 1911 aufgenommen.
Die Bezeichnung „Kleinbahn Loh-Hatzfeld" galt nun für die gesamte Strecke, deren Länge 4,466 Kilometer betrug und die einen Höhenunterschied von 220 Metern überwand.

Organisatorische Zugehörigkeit
Die Kleinbahn war stets Bestandteil des Barmer Straßenbahn- bzw. Stadtwerkebetriebs:
  • 1911: Inbetriebnahme unter der Barmer Straßenbahn
  • 1929: Zusammenschluss der Städte Barmen, Elberfeld und weiterer zu Wuppertal; aus der Barmer Straßenbahn wurde die Wuppertaler Straßenbahn
  • 1939/40: Fusion zur Wuppertaler Bahnen AG (WB)
  • 1947: Gründung der Wuppertaler Stadtwerke AG (WSW) durch Zusammenführung der Wuppertaler Bahnen AG und der städtischen Werke für Gas, Wasser und Strom

Betrieb und Verkehr
Das Besondere an der Hatzfeldbahn war das jahrzehntelange Nebeneinander von Straßenbahn- und Güterverkehr auf denselben Gleisen. Für den Straßenbahnbetrieb galten die Bau- und Betriebsvorschriften für nebenbahnähnliche Kleinbahnen und Straßenbahnen mit Maschinenbetrieb. Die Strecke Schlachthof–Hatzfeld war eingleisig, unterwegs gab es Kreuzungsstellen an der Wilkhausstraße und Winchenbachstraße sowie ein Umsetzgleis in Hatzfeld.

Straßenbahnzüge verkehrten im 15/20- bis 30-Minuten-Takt, in der Hauptverkehrszeit bis ab Winchenbachstraße alle 7,5 bis 10 Minuten. Die Höchstgeschwindigkeit der Straßenbahnzüge betrug 40 km/h bergauf, 30 km/h bergab. Die Güterzüge fuhren bis zu fünfmal täglich mit maximal 15 km/h.
Der Betrieb der unübersichtlichen, eingleisigen Strecke verlief weitestgehend störungsfrei, obwohl in den Straßenbahntakt die Güterzüge bis zu fünfmal täglich eingefädelt wurden. Im Februar 1956 ereigneten sich allerdings innerhalb von drei Tagen zwei Frontalzusammenstöße auf der Strecke, ausgelöst durch Bedienfehler an der Lichtsignalanlage. Beim ersten Unfall kamen ein Fahrer und ein Fahrgast ums Leben. Die Lichtsignalanlage wurde erst in den vierziger Jahren eingebaut und war zunächst handbedient.

Ab 1. Oktober 1929 erhielt die Hatzfelder Linie die Liniennummer 6, die bis zum Ende 1963 galt. In den 1920er Jahren gelang es, die Gleisweichen so anzupassen, dass auch normale Straßenbahnwagen mit Beiwagen bis Hatzfeld fahren konnten.
1923 wurde der Kleinbahn zusätzlich der Kohletransport über die Straßenbahngleise zum Elektrizitätswerk am Clef im Zentrum von Barmen übertragen – ein spektakulärer Güterzugbetrieb mitten durch die Innenstadt.
Der Löwenanteil der Wagenladungen fiel für den Schlachthof an, zeitweise bis zu 750 Wagen im Monat. Stückgut war nur für wenige Firmen zu transportieren.

Nachkriegszeit und Ende
Noch in den 1950er Jahren wurden Gleisanlagen und Fahrleitung teilweise erneuert, alte Gittermasten durch Betonmasten ersetzt und Lichtsignale mit gleisgesteuerten Kontakten installiert.
Mit dem Rückzug einiger Firmen und der Verlagerung des Güterverkehrs auf die Straße gingen die Transportleistungen stetig zurück: 1965 noch 28.000 Tonnen, 1975 nur noch 13.299 Tonnen, 1979 noch 9.331 Tonnen.

Die Straßenbahnlinie 6 wurde am 20. April 1963 eingestellt – damit endete das über 50 Jahre währende Nebeneinander von Straßenbahn und Güterzug. Der Güterverkehr lief noch bis zum 1. Februar 1980 weiter, zuletzt fast ausschließlich für den Anschluss der Firma Dr. Kurt Herberts (heute Axalta Coating Systems). Die letzte Zuführungsfahrt fand am 1. Februar 1980 statt, am 15. Februar 1980 gab es mit der Lokomotive 3609 eine interne Abschiedsfahrt. Wenige Tage später wurde der Fahrstrom abgeschaltet und mit dem Abbau von Gleis- und Fahrleitungsanlagen begonnen.

Erkunden Sie die Strecke auf Google-Maps...
  • Im Jahr 1979 hat sie ihre Arbeit bereits erledigt und fährt als Leerfahrt vom Streckenende am alten Hatzfelder Wasserturm zurück zum Betriebshof in ihren Lokschuppen an der Carnaper Straße.
  • Auf der Strecke musste die Lok bis zu 14 Gleisanschlüsse von Firmen mit Güterwaggons bedienen.
  • Bis 1963 für die Lok auch auf gemeinsamen Strecken mit der Straßenbahn
Unsere Lok (rechts im Bild) ist bedeutend schlanker als die "Dicke Berta" (links).
Nach dem Ende des Güterverkehrs auf der Kleinbahn Loh - Hatzfeld wurden beide Lokomotiven Anfang des Jahres 1980 nach Österreich an die Firma „Stern & Hafferl“ verkauft.
Die "Dicke Berta" hieß dort E 22.006, fuhr auf der Linzer Lokalbahn und wurde schon 2006 verschrottet.
Unsere Denkmal-Lok bekam die Bezeichnung E 24.010 und kam zunächst auf der Lokalbahn Neumarkt - Waizenkirchen - Peuerbach (NWP) als E 20 010 zum Einsatz. Ab 1982 befuhr sie die Lokalbahn Lambach - Vorchdorf-Eggenberg (LVE), bis kurz vor ihrer Rückkehr 2023 nach Wuppertal.
Die Lok im Lauf der Zeit
Unsere Lok, E 24 010, hat in der Woche vor ihrem Transport nach Wuppertal, am 26. Juli 2023, bei Stern & Hafferl in Österreich noch Schotterzüge transportiert. Die Lok ist heute noch betriebsbereit.
Anlieferung und Aufstellung am 01.08.2023
Über viele Jahre und in unzählbaren Stunden ehrenamtlicher Arbeit wurde die Rückführung der Lok nach Wuppertal verfolgt und auf den Termin der Ausmusterung gewartet. Schwertransport und Kräne mussten organisiert, zudem ein Aufstellort gefunden werden.

Der Übergabebahnhof Wuppertal-Loh, der Streckenbeginn der Trasse Loh-Hatzfeld, hat hier beides vereint: Der lokale Bezug mit direkter Sichtverbindung zum Viadukt der Trasse, aber auch Bürgernähe und die eisenbahnhistorische Umgebung durch den erhaltenen Bahnhof, die Gleisanlagen der Draisinenstrecke, Signale und den Güterwagon.

Da die Oberleitung im Schönebecker Busch endete, war unsere Lok zu keiner Zeit direkt am Bahnhof Loh tätig. Für die von ihr bewegten Güter war der Bahnhof allerdings immer der Übergabepunkt zur Rheinischen Strecke.

Neben dem Erhalt und der Aufarbeitung dieses einmaligen Denkmals gibt es natürlich schon viele Pläne für die Zukunft. Dazu gehört ein Dach sowie eine Teillackierung in ihren ursprünglichen WSW-Farben.
Viele Fachzeitschriften und lokale Medien berichteten...
  • Großer Bahnhof für kleine Lok
    Nach vier Jahrzehnten: Lokrückkehr nach Wuppertal
    Eisenbahn-Kurier
    10/2023
  • Großer Bahnhof für kleine Lok
    Nachtrag zur Rückkehr von E 24 010 nach Wuppertal
    Eisenbahn-Kurier
    01/2024
  • E 24 010 von Stern und Hafferl zurück in die alte Heimat
    Eisenbahn-Revue International
    10/2023
  • E 24 010 zurück in die alte Heimat
    Schienenverkehr Aktuell
    9/2023
  • E-Lok für den Bahnhof Loh
    Radio Wuppertal
    01.08.2023
  • Eine 113 Jahre alte E-Lok, die die Wuppertaler Bahngeschichte prägte, hat am Bahnhof Loh ihre letzte Ruhestätte gefunden
    Westdeutsche Zeitung
    02.08.2023
  • Elektrolok schwebte zur Nordbahntrasse
    Wuppertaler Rundschau
    02.08.2023
  • Historische E-Lok zurück in ihrer Heimat Wuppertal
    WDR
    02.08.2023
Technik
Die Lok 608 als Zeitzeuge der elektrischen Eisenbahn
Als die Lok 608 im Jahr 1910 die Werkshallen der Münchner Maschinenfabrik J. A. Maffei verließ, war die elektrische Traktion noch längst kein Standard im Eisenbahnbetrieb.
Das Unternehmen von Werner Siemens hatte 1879 für die Berliner Gewerbeausstellung eine zweiachsige Elektrolokomotive präsentiert, die auf einem 300 Meter langen Rundkurs drei Wagen mit je sechs Personen ziehen konnte – sie gilt als erste praxistaugliche Elektrolokomotive der Welt. Zwischen diesem Anfang und der 608 lagen gerade einmal 31 Jahre.

Der Elektroantrieb war vor allem für den Personentransport in dicht bewohnten Gebieten attraktiv, wo Pferdeantrieb zu schwach und Dampfantrieb zu groß und zu schmutzig war. Genau dieses Profil traf auf das industriell verdichtete Barmen zu. Die Stadt entschied sich früh für den elektrischen Güterverkehr – und griff dabei auf die besten Hersteller der Zeit zurück: Der mechanische Teil der 608 stammte von J. A. Maffei in München, die elektrische Ausrüstung von den Siemens-Schuckert-Werken. Siemens hatte 1907 bereits 328 elektrische Lokomotiven geliefert – die Partnerschaft mit Maffei für die Barmer Lok war dennoch etwas Besonderes: Die 608 war die zweite jemals bei J. A. Maffei gebaute Elektrolokomotive – ein absolutes Einzelstück.

Die Schnittstelle zwischen Güter- und Personenbahn, die die Lok 608 bedienen musste, war dabei eine technische Herausforderung eigener Art. Mit ihrer Breite von 2,10 Metern entsprach sie dem Straßenbahnprofil und besaß neben den eisenbahntypischen Zug- und Stoßvorrichtungen auch eine Kupplung für Straßenbahnwagen – eine konstruktive Kompromisslösung, die den hybriden Charakter der gesamten Anlage widerspiegelt.

Technisch war sie für ihre Zeit bemerkenswert durchdacht. Die vierachsige Drehgestelllok mit der Achsfolge Bo'Bo' war für eine Fahrdrahtspannung von 550 Volt Gleichstrom ausgelegt, erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h und wog 33 Tonnen, was durch zusätzliche Gewichte realisiert werden musste. Die 600-Volt-Gleichstromtechnik war damals der De-facto-Standard für städtische Bahnsysteme – mehrere frühe Kleinbahnen in Süddeutschland setzten bereits in den 1890er Jahren auf Gleichspannung zwischen 550 und 600 Volt. Der Vorteil: Die Infrastruktur konnte mit dem bestehenden Straßenbahnnetz geteilt werden, was in Barmen auch tatsächlich so praktiziert wurde. Zu dieser Zeit befand sich die elektrische Energieversorgung noch in den Kinderschuhen - gerade einmal 19 Jahre zuvor wurde die erste Drehstrom-Fernübertragung (Lauffen–Frankfurt) erfolgreich demonstriert. So war zum damaligen Zeitpunkt nicht absehbar, dass man auch 100 Jahre später noch, mithilfe eines einfachen Gleichrichters, aus jeder Ortsnetzstation ein für die Lok passendes Gleichstromnetz erzeugen kann.

Später wurde von Stern & Hafferl auch der Betrieb mit 800V= ermöglicht. Bis heute sind Bahnstromsysteme von 550V= bis 800V= bei Stadtbahnen üblich und damit die Lok bis heute mit aktueller Bahn-Infrastruktur betriebsfähig, was eine gute Einschätzung bei den Entscheidungsträgern vermuten lässt.

Vier 48kW-Reihenschlussmaschinen sind als Tatzlagermotoren bei der Lok ausgeführt und jeweils pro Drehgestell als Reihenschaltung zweier Maschinen kombiniert (bezeichnet als Motorgruppe I und II). Auch wenn sich Achsanbindung und Motortyp zu heutigen Bahnantrieben unterscheidet, ist die Aufteilung der Antriebsleistung auf viele achsnahe Motoren bis heute ein üblicher Aufbau.

Vier Widerstandsbänke in den Vorbauten der Lok sind zentral über einen Schleifringfahrschalter mit zwei gekoppelten Walzen zuschaltbar. Mithilfe von zehn Fahr- und fünf Bremsstufen können auch sensible Rangieraufgaben erledigt und Talfahrten verschleißarm durchgeführt werden. Die Fahrstufen 1 bis 6 betreiben dabei die Motorgruppen in Reihenschaltung, während die Fahrstufen 7 bis 10, sowie alle Bremsstufen, die Motorgruppen parallel schalten.

Den besten Wirkungsgrad haben die Fahrstufen 6 und 10, also jeweils die obersten einer Schaltungsart, da hier keine Widerstände vorgeschaltet werden und so die Lok unbedenklich im Dauerbetrieb gefahren werden kann.
Insbesondere bei intensiver Nutzung der Motorbremse wurde es zeitweise nötig, die Klappen der Vorbauten einen Spalt weit aufzustellen, da keine Zwangsbelüftung erfolgt und selbst der Fahrtwind kaum in den Aufbau der 608 gelangt. Die später produzierte Schwesterlok 610 wurde daher mit großen Lüftungsschlitzen an den Stirnseiten ausgestattet (siehe Foto im Seitenkopf), zudem bekam diese Lok auch eine Solenoid-Magnetschienenbremse um die lange Gefällestrecke Carnaper Straße und Steinweg mit den schweren Kohlewagons bewältigen zu können.

Zu dem 16-Stufigen Fahrschalter gibt es einen Wendeschalter mit sieben Positionen. Mit ihm können Fahrtrichtung und die Motorgruppe (I, II oder I+II) gewählt werden. Durch besteht die Möglichkeit, die Traktionsleistung durch das Abschalten einer Motorgruppe (statt durch Vorschalten von Widerständen) zu reduzieren. Damit ist der Teillastbetrieb effizienter und ein Notbetrieb mit nur einer Motorgruppe möglich, indem eine defekte Motorgruppe abgeschaltet werden kann.

Die übrige Elektrik der Lok beschränkt sich auf Beleuchtung und einen 3kW-Kompressor sowie eine Innenraumheizung. Erst in den frühen 1970ern wurde durch Leistungselektronik ein Herabsetzen von Gleichspannung industriell effizient möglich, weshalb die Beleuchtung der Lok direkt aus der Fahrdrahtspannung betrieben werden musste und bis heute wird. Da Glühlampen mit derartiger Betriebsspannung (600V bis 800V) eine Sonderanfertigung gewesen wären und zudem wegen der Erschütterungen des Aufbaus Glühlampen mit dickeren Wolframfäden und damit niedrigerer Betriebsspannung besser geeignet sind, wurden immer sechs 120V Glühlampen in Reihenschaltung betrieben. Ursprünglich gab auch es eine beleuchtete Linienbezeichnung (einen Filmkasten wie für eine Rollbandanzeige) für den Mischbetrieb mit der Straßenbahn und der permanenten Aufschrift „Güterzug“ mittig über dem Fahrerstand. Zwischen der Innenraumbeleuchtung und der Linienbezeichnung konnte umgeschaltet werden, sodass, zusammen mit den beiden Zugspitzlichtern, die Anzahl der Glühlampen in Reihe immer sechs ergab. Aus diesem Grund findet sich in der Lok eine etwas übertrieben wirkende, vierflammige Innenraumbeleuchtung, die die fehlenden Glühlampen zum Erreichen der Fahrdrahtspannung bereitgestellt hat.
Das Zweilicht-Spitzensignal wurde erst in späteren Betriebsjahren zu einem heute üblichen Dreilicht-Spitzensignal vervollständigt, was bezüglich der ursprünglichen Reihenschaltung mit einem weiteren Umschalter gelöst wurde. So zeugt bis heute die Elektrik von der bewegten Geschichte einer Lok, die in ihrem Leben Straßenbahn und Güterverkehrslokomotive sein musste.
Durch die höhere Fahrdrahtspannung bei Stern & Hafferl wurden in Österreich die Glühlampen gegen 160V-Typen getauscht, ansonsten die Schaltung aber nahezu im Ursprungszustand belassen. Ebenfalls für den Betrieb in Österreich wurde der Pantograf hochgesetzt.

Für den Betrieb der in den sechziger Jahren nachgerüsteten Rundumkennleuchten, wurde erstmals eine Batterie (2x12V) in die Lok eingebaut, die später durch einen Umformer auch aus dem Fahrdraht geladen werden konnte. Bei Stern & Hafferl wurde die Lok mit moderner Betriebstechnik wie Funk und GPS ausgestattet, weshalb ein weiterer Wandler ein 12V-Netz zur Verfügung gestellt hat. Diese Technik wurde aber vor dem Verkauf zurückgebaut, lediglich die GPS-Antenne ist heute noch vorhanden und von außen erkennbar.

Die Innenraumheizung wurde durch zwei große Widerstände realisiert. Erst später wurde ein leistungsstarker Heizlüfter als zusätzliche Heizung eingebaut. Beides ist heute noch betriebsbereit.

Die Druckluftanlage war zunächst nur für den Betrieb der Bremse, der Sandstreueinrichtung, der Pfeife und einer Rasselglocke vorgesehen.
Die Anlage wurde im Leben der Lok aber immer weiter ausgebaut. Zunächst durch eine Zusatzbremse, dann durch pneumatische Scheibenwischer, und später erfolgte die Erweiterung mit einer Zeit-Sicherheitsfahrschaltung (Sifa), die Zugbremse und Hauptschalter auslösen konnte, wenn der Fahrer nicht am Fahrschalter stand und das Fußpedal betätigt hielt.
Stern & Hafferl erweiterte die Lok um einen abnehmbaren, seitlichen Balkon, damit, trotz der schlanken Bauart, der Zug vom Fahrer aus einsehbar war. Auch der Balkon bekam ein Sifa-Pedal.
Das Bremssystem entspricht heute einer gängigen Knorr-Bremse und ist noch voll funktionstüchtig. Neben der Druckluftbremsanlage verfügt die Lok über eine Handbremse mit Handrad und hat somit in Summe drei unterschiedliche Bremsmöglichkeiten.
Widerstandsbank
Kompressor
Fahrschalter
Walzen des Fahrschalters
Druckschalter des Kompressors
Überspannungsableiter
Spannungsteiler und Shunt
Zahnräder der Handbremsanlage
Hauptschalter des Kompressors
Antworten auf die häufigsten Fragen:
Weitere Informationen zur Strecke:
  • Filmvorschau auf Youtube
    MLHF: Die Kleinbahn Loh-Hatzfeld - Eisenbahnen im Bergischen Land
  • Fotos und weitere Informationen
    Güterverkehr auf bahnen-wuppertal.de
  • LOK Report
    "Schwebe-Lok" in Wuppertal - Nach 43 Jahren zurück an die Nordbahntrasse
  • Eisenbahnchronik Bergisches Land
    Eisenbahnchronik Bergisches Land - Band 2
Bildquellen
  • Hintergrundbild Seitenkopf: Wolfgang R. Reimann
  • Hintergrundbild Kohlenlieferung Am Clef: Sammlung Wilfried Harder
  • Hintergrundbild Becherwerk: Sammlung Wilfried Harder

  • Lok auf Hatzfeld: Michael Malicke
  • Abholung Kesselwagen: Klaus Hoffmann
  • Kreuzung Winchenbachstr.: Eduard Bouwman / Sammlung Bernhard Terjung

  • Großbild Loks auf WSW-Gelände: Klaus Hoffmann

  • Fabrikneue Lok: Hans-Günter Bunse
  • Anschluss Herberts: Klaus Hoffmann
  • Transport zu S&H: Klaus Hoffmann
  • Kohlezug S&H: Gunter Mackinger
  • Bahnsteig S&H: Gunter Mackinger

Alle neueren Fotos und Detailaufnahmen auf dieser Seite sind von den tatkräftigen Mitarbeitern der Arbeitsgruppe Eisenbahngeschichte und Draisinen:

Rolf Dellenbusch, Peter Haering und Klaus Teders



Wir bedanken uns bei allen Fotografen für die gelungenen Einblicke

und die historisch wertvolle Dokumentation!